Es ist nie zu spät für Spätburgunder!

Deutscher Rotwein ist ein schwieriges Ding. Viele mögen ihn, weil er so schön leicht ist und nicht so bitter wie das französische Zeug. Anderen ist er zu sauer und wieder anderen ist er, vor allem Spätburgunder, zu hell und zu dünn.
An allem ist was dran. Vor einigen Jahren trat der Dornfelder seinen traurigen Siegeszug in Deutschland an. Einst als Rebe zum Färben von zu hellem Wein gezüchtet, wird nun aus ihm meist ein Wein gekeltert, der außer einer dunkelroten Färbung und Alkohol wenig Eigenschaften besitzt. Preislich zwischen 1,50 und 3 Euro im Discounter kann man natürlich auch nicht viel erwarten. Das andere Mißverständnis ist Spätburgunder, der deutschen Variante des burgundischen Pinot Noir. Die einfachen Qualitäten sind sehr hell in der Farbe, leicht und duftig. Wir haben aber inzwischen gelernt, daß guter Rotwein dunkel sein muß und deutliche Tannine besitzt. Da man bei Spätburgunder darauf aber lange warten muß, nimmt er in den Supermarktregalen nicht gerade den vordersten Platz ein und wenn, dann oft in der lieblichen Variante, für Menschen, die eigentlich gar keinen Wein mögen.
Nun, aus dem beliebten Dornfelder kann man gar keine guten Weine machen, wobei allerdings Ausnahmen die Regel bestätigen. So macht zum Beispiel das Weingut Jan Ulrich in Diesbar-Seußlitz in Sachsen einen wunderbaren, samtigen Dornfelder, der den Dornfelder-Hasser (wie mich) stutzig macht, allerdings auch den Liebhaber, denn er kostet gut das achtfache seines 1,39-Supermarkt-Tropfens: 10,50.
Bleibt noch der Spätburgunder. Mit dem Klimawandel, der Hinwendung zu höheren Qualitäten bei geringeren Erträgen und wahrscheinlich auch dem Blick nach Burgund vieler Winzer bekommt man nun in Deutschland seit einigen Jahren Spätburgunder, die es sogar mit denen Burgunds aufnehmen können. Bei den Spitzenqualitäten verwenden Winzer sogar vermehrt Barriques für den Ausbau.
Auf diesen Artikel kam ich übrigens, als ich gestern mit Freunde eine Flasche Spätburgunder Auslese Mettenheimer Goldberg trocken Selection 2003 vom Weingut Geil in Eimsheim, Rheinhessen, trank. Ich hatte ihn auf einer Weinmesse probiert, war begeistert und bestellte mit Freunden beim Weingut. Der Wein wird im Barrique gereift, vermutlich aus amerikanischer Eiche, da er sehr schöne Vanille- und Karamelnoten besitzt.
Zuerst begeistert das intensive, klare Kirschrot, dann der Geruch vom Holz (Vanille, Karamel, Röstaromen) und reifen roten Früchten und von Blüten. Im Mund ist er samtig, voll und hat eine leichte Süße, ein Eindruck, der hier nicht von der Restsüße, sondern vom hohen Alkoholgehalt (14% Vol.!!) herstammen dürfte. Leider kennen die meisten Menschen solche Weine nicht, da sie nur im Weinhandel erhältlich und auch nicht gerade billig sind, das Exemplar von gestern, das übrigens auch meine französischen Gäste begeisterte, kostet 13 Euro. Aber auch jene Spätburgunder für fünf Euro müssen nicht schlecht sein, diese leichten, floralen Weine können sehr ansprechend sein, vor allem dezent gekühlt. Wenn es mal wieder warm werden sollte, ein Hit auf der Terrasse. Lassen Sie es mich mit Stuart Pigott sagen: Diese Weine sprechen eindeutig deutsch!

Eine Antwort schreiben